bist du etwa ein mädchen?

bist du etwa ein mädchen?

Samstag, 30. Mai 2015

mama - wo ist der rock?

rock and kitchen. photo: privat. all rights reserved.
 von der herausforderung als männlich gelesener mensch einen rock zu tragen ...

sollten kulturell wenigstens halbherzig bewanderte menschen eigentlich gefeit sein. das kleidungsstück ist spätestens seit Mel Gibson's performance in Brave Heart sozusagen zu einem must-have für 'echte kerle' avanciert. wenigstens in der ausführung 'schottenkaro'.

für meine kinder ist es dennoch eine herausforderung, wenn sie ihre schottenröcke im kindergarten tragen wollen. 'das tragen nur mädchen', 'bist du etwa ein mädchen?', 'das ist nichts für dich' sind einige der üblichen sprüche, die ihnen entgegen wehen. natürlich nicht von den erzieher_innen. von denen hören sie und ihre kontrahent_innen kein einziges wort.

vorhersehbarerweise hat der lütte sich daher seit dem alter von drei jahren (ungefähr das alter, in dem die kinder anfangen, miteinander worte auszutauschen) schritt für schritt von seinen röcken verabschiedet, genauso, wie von seinen auas (= zöpfchen und haarspangen, vorzugsweise der glitzernden art), seinen 'Hello-Kitty'-t-shirts und überhaupt allem, was rosa oder pink ist.

umso überraschter war ich, als der kleine heute früh mit seinem papa vorm bett stand und fragte: "mama, wo is der rock?!" (und wir lassen jetzt mal beiseite, welche ganz offensichtlich in der familie für die kleiderlogistik verantwortlich ist...)

ein mutmachendes beispiel dafür, dass wir als eltern - meist viel weniger offensichtlich - ein beständiges vorbild für unsere kinder darstellen. (gerade das wegsortieren von kleidung erfordert eine ausdauer, die sich nur langsam bemerkbar macht...)

im guten, wie im schlechten eifern junge menschen ihren bezugspersonen nach.
w i r  müssen also (nur) viel mutiger sein!

Samstag, 7. März 2015

gendermarketing unter der lupe

 playmopoly für 4 bis 10 jährige kinder!

eine in kühlen blau- und weißtönen gehaltene verpackung erregte neulich die aufmerksamkeit meines familieneinkauf abhakenden partners. er schickte mir dieses bild.

(foto: privat)
 darauf lassen sich zwei figuren in einer bankfiliale erkennen. die storyline finde ich ziemlich eindeutig: eine blonde frau mit rosa shirt und rosa schuhen (klar, denn sonst könnte sie ja auch einfach ein bankräuber mit blonder perücke sein) und roter shopping-bag (kein armeerucksack in tarn oder schwarzlederne reisetasche, nein eine leuchtend rote shopping bag, ohne reißverschluss und knöpfen!) hält lässig und für die kamera lächelnd posierend mit tief auf der nase sitzender sonnenbrille (ihre wunderschönen augen mit den geschminkten wimpern blitzen hervor) eine pistole in der hand. der bankangestellte reicht ihr - ebenfalls lächelnd und jedenfalls wenig ängstlich wirkend - ein bündel 10er scheine herüber. für ein paar schuhe wird's schon reichen. ist ja gerade wsv.

etwas weiter unten im bild darf eine kinderhand vielleicht zum ersten mal geldscheine aus einem bankautomaten ziehen. schöne neue welt.

beim ersten anblick dieser packungsaufmachung habe ich gelacht. ich dachte 'wow, frau und blau auf einer packung, öfter mal was neues?' und ich dachte, 'jawoll, zeig's dem macker'. aber, let's face it: nicht nur, dass die frau als antagonistin zum männlichen helden (dem erfolgreichen bankangestellten) hergestellt wird, nein es macht auch noch den eindruck, dass diese lächelnde dilettantin mit der shopping bag nur ein wenig vorschuss für das neueste paar schnickchic schühchen bräuchte. es drängt sich der verdacht auf, ob die erfinder_innen dieser szenerie wohl eher stereotype hausfrau-ehemann-bilder im kopf hatten, denn schließlich gibt die frau das hart verdiente geld des mannes wieder beim einkaufen aus. ein glück ist er ein so erfolgreicher banker... das bündel zehner hat er also in einer halben stunde wieder rein. (oder weniger? ich bin da nicht so drin in der materie)

auf den zweiten, oder dritten blick (oder nach dem hinweis des partners) gerät dann auch noch die preisreduzierung ins blickfeld. von knapp 40,00 € auf 25,00 € gesenkt! es würde mich wirklich interessieren, warum das jetzt kein verkaufsknüller war...

entweder die kleinen vermarktungsziele finden banken einfach langweilig, oder

eltern lenken ihre kinder gezielt von dem spielzeug weg (z.B. weil sie sich frauen nicht als bankräuberinnen vorstellen können, oder weil frauen generell nicht mit waffen umgehen können und die geschichte daher unglaubwürdig ist, oder einfach, weil frauen generell nicht in blaue spielzeugverpackungen gehören.)

was denkt ihr?